Rallyerückschau – Grenzerfahrung

oder wie man sich an der russischen Grenze mit aller Gewalt in die Scheisse reiten kann….

Nachdem wir am Vorabend im finnischen Wald versucht haben unseren Vorrat an isotonischen Sportgetränken von 12 Litern auf die in Russland geduldete Maximalmenge von 3 Liter pro Kopf zu reduzieren, ging es am nächsten Morgen mit leicht dickem Kopf Richtung Föderation.

Auf dem Weg zum Grenzposten Raja-Jooseppi wurde uns so einiges klar:

1) Die Finnen sind nicht dämlich

Kurz nach dem Campingplatz, auf dem am Abend zuvor in fast jedem Fahrzeug der Alkoholvorrat grenztauglich eingestellt werden musste, hatten sie eine Polizeisperre mit Alkoholtest aufgebaut. Zum Glück hatten wir irgendwann aufgegeben das gute Zeugs sinnlos in uns rein zu schütten und haben es einem Team über Finnland mitgegeben. Promilletest mit Bravour bestanden und nicht mehr als die erlaubte Menge an Bord. Check!

2) Man sollte an der finnischen Grenze auch am offenen Schlagbaum halten

An der Grenze waren wir leicht verwundert, dass die Schranke der Finnen offenstand. Hätte ja sein können, dass die Ausreise nach Russland hier ohne Passkontrolle von Statten geht. Weit gefehlt! Wildes Geschrei/Gehampel von zwei Uniformierten, zum Stoppen gezwungen und an das Ende der Reise gedacht. Die zwei haben sich aber relativ schnell wieder beruhigt, uns nicht weiter angeschrien und wir durften das Land verlassen. Check!

3) Entscheidend ist der Stift

Nach ewigem Niemandsland zw. FIN und RUS endlich an der alles entscheidenden Grenze angekommen, alle Formulare ausgefüllt und gewartet und gewartet und…. Irgendwann schreit mich eine grüne Uniform an: ‚Where is the pen?‘

WTF! Sorry? Ich habe deinen Stift nicht, habe ihn doch ordnungsgemäß wieder abgegeben! – ‚Where is the pen?‘

Das ging dann so lange bis ich kapiert habe, dass in einem der zig Formulare (man darf alles zweimal ausfüllen, da der Kopierer nämlich angeblich gerade eben kaputt gegangen ist) ein Nachtrag zu tätigen ist – zwingend mit dem gleichen Stift, in der gleichen Farbe! Sonst, alles nochmal. Nicht zur Strafe nur zur Übung. Stift im Grenzdurcheinander gefunden und Problem gelöst. Check!

4) Sorg dich frühzeitig um den Inhalt deines Autos

Da ich als ‚The Driver‘ vollumfänglich für die Karre samt Inhalt verantwortlich bin (die Russen wollen nur einen Schuldigen) musste ich bei der Inspektion mit zum Auto, während Bernd das Gebäude nicht verlassen durfte. Beim Gang nach Kanossa wurde mir wieder bewusst wieviel Scheiße ich mir eingebrockt habe… Im Kofferraum der gut verpackte Hopfen von Gerd (Hopfen gehört zu Gattung der Hanfgewächse und riecht leider auch so), der aussieht als hätte ich 2 Kilo guten Stoff dabei und jetzt springt ein Drogenhund um die Karre. Dank den Tankkünsten des Co-Piloten stank die Kiste auf der Seite wohl so erbärmlich, dass der Hund keinerlei Interesse verspürte.

Jetzt kam aber ein netter Herr und wollte unser Fahrzeug begutachten. Fahrzeuginnenraum, check! Dachboxen (mit dem Bier), check! Kofferraum, scheiße! Ausräumen! Wieder dieser Hopfen und dann die Gewissheit, dass der Co-Pilot seine Schmerztabletten auch im Kofferraum hat. Er hätte mir besser nicht kurz vor der Kontrolle von der mitgeführten Menge an Tabletten erzählt, dann wäre ich eindeutig ruhiger geblieben. Egal, laut Einfuhrbestimmungen hätte er (und jetzt ich!!!) keine einzige dieser Tablette dabeihaben dürfen.

Den Hopfen hat er nicht entdeckt, weil genügend stinkende Socken davor drapiert und an den Kulturbeuteln hatte er zum Glück keinerlei Interesse. Check!

Doch, da war noch das Geschenk von Cati und Kai! Ein Bastkörbchen mit allerlei Nützlichem und lustigem Zeugs für die Reise. Zielstrebig zeigt der auf das unscheinbare Bastgeflecht und sagt: ‚Open!!!‘ Beim gemeinsamen Wühlen fanden wir dann zwischen Kondomen, einer Bibi + Tina CD und Vokabelkarten auch eine Packung Draxtasy?!?… Kacke, die hatte ich vergessen! DANKE, KAI!!! In den Augen des Herren leuchtete ‚Jackpot‘, ich machte ein Gesicht wie eine Katze bei Gewitter und mein Arsch ging auf Grundeis. Ich wähnte mich schon mit Schlagstockhieben traktiert auf dem Betonboden liegen und mit gefletschten Hundezähne vor dem Gesicht um Gnade winseln. Nach einigem Gefasel und Erklärungsversuchen meinerseits, konnte ich den Kontroletti überzeugen mit mir die Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Packung durchzugehen und ich durfte ihm dann teils pantomimisch, teils wie ein Waldorfschüler tanzend die einzelnen Bestandteile der Koffeintabletten erklären. Nach bangen Minuten des Schweigens fing der wirklich nette und verständnisvolle Herr an zu lachen und wir konnten die Reise fortsetzen. Check!!!!! 🙂

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